Inflation und Wirtschaftswachstum im Euro-Raum: Bauzinsentwicklung ungewiss?
Donnerstag, 18. August 2011 20:45
Der Euro-Raum hat seit Monaten mit der finanziellen Schieflage einiger EU-Mitgliedsstaaten zu kämpfen und allen voran bereitet das hoch verschuldete Griechenland Sorgen auch im Hinblick auf unsichere politische Verhältnisse. Darüber hinaus war länderübergreifend eine inflationäre Entwicklung zu beobachten, die länger als von Finanzexperten vermutet, vom Rat der Europäischen Zentralbank ignoriert wurde. Die Verantwortlichen um Notenbankchef Jean-Claude Trichet, entschlossen sich dann binnen weniger Wochen den Leitzinssatz zweimal zu erhöhen. 1,5 Prozentpunkte lautet jetzt der angepasste Zins, um die inflationäre Entwicklung zu stoppen. Jetzt gibt die EZB bekannt, dass sich aufgrund jüngster Daten das Wirtschaftswachstum leicht abgeschwächt hat, nachdem ein bravouröser Start zu Beginn 2011 die Inflationsrate europaweit langsam und stetig weiter ansteigen ließ.
Turbulenzen am Kapitalmarkt: Auswirkungen sind überschaubar
Das Zuspitzen der Staatsschuldenkrise in den USA und die damit verbundene schwache Konjunktur nimmt auch Einfluss auf die Wirtschaftsdaten im Euro-Raum. Doch laut Einschätzungen von Experten und auch Vertretern des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, wird die Wirtschaft dennoch weiter wachsen, wenn auch mit gebremster Geschwindigkeit. So wird nicht mit dramatischen Auswirkungen auf die realwirtschaftlichen Ergebnisse gerechnet und auch ein erhöhter Inflationsdruck ist laut EZB erst einmal nicht in Sicht. Aktuell hat sich die Inflationsrate auf 2,5 Prozent im Euro-Raum eingependelt, wenngleich die obersten Währungshüter die Zwei-Prozent-Marke im Auge haben, um europaweit die Preisstabilität zu wahren.
Entwicklung der Bauzinsen: lange Bindungsfristen schützen vor Zinsanstieg
Der auf 1,5 Prozent erhöhte Leitzins wirkt sich zunächst mittelbar auf die Höhe der Bauzinsen aus. Die Tendenz deutet jedoch auf eine steigende Bauzinsentwicklung hin, wenngleich aktuell eine Zinsdelle noch günstige Konditionen für Darlehensnehmer bietet. Das historische Niedrigzinsniveau aus den Jahren 2009 und 2010 dürfte jedoch als beendet gelten und bis zum Jahresende 2011 wird sich die seitliche Zinsbewegung in einen leichten aber stetigen Aufwärtstrend wandeln. Wer sich für eine Altersvorsorge aus Stein entscheidet, sollte sein Vorhaben daher nicht auf die lange Bank schieben, sondern mit einer Zinsbindung von mehr als zehn Jahren versuchen, die das günstige Zinsumfeld zu sichern. Sollten Hypothekenzinsen wider Erwarten in den kommenden Jahren fallen, kann jeder Darlehensnehmer sein Recht geltend machen, nach zehn Jahren sein Baudarlehen umzuschulden. Zu den Voraussetzungen hierfür gilt, dass eine Vollauszahlung der Darlehenssumme bereits stattgefunden haben muss. Auch Darlehensnehmer, die sich noch in einer Zinsbindung befinden, müssen nicht tatenlos zusehen. Mit einem Forward-Darlehen lassen sich die aktuell noch günstigen Hypothekenzinsen Jahre im Voraus sichern.
Thema: Wirtschaft / Finanzen | Kommentare (1) | Autor: admin